Technologie macht unsere Arbeit nicht automatisch besser. Erst wenn wir unsere Prozesse verstehen, Werkzeuge beherrschen und Wissen miteinander teilen, entsteht aus Digitalisierung tatsächlicher Fortschritt.
Seit 2016 begleitet mich California durch meinen Berufsalltag. Damals stand die Software bereits vollständig zur Verfügung – genutzt wurde sie trotzdem hauptsächlich dafür, handschriftlich erstellte Leistungsverzeichnisse zu übertragen und auszudrucken. Für mich war das ungefähr so, als hätte man einen Mercedes in der Garage und würde ihn nur nutzen, um darin die Einkaufsliste zu schreiben.
Wie viel mehr möglich war, verstand ich bei einer Holzaufstockung. Drei Angebote mussten vergleichbar gemacht werden. Also baute ich drei Tage lang einen Preisspiegel in Excel. Als sich anschließend ein Preis änderte, wurde mir klar, wie aufwendig mein vermeintlich einfacher Weg war. Ein Anruf beim Support zeigte mir, dass California diese Aufgabe längst beherrschte. Entscheidend war aber nicht allein die Funktion der Software. Entscheidend war der Mensch am anderen Ende, der mir zeigte, wie ich sie sinnvoll einsetzen konnte.
Diese Erfahrung begleitet mich heute beim Umgang mit künstlicher Intelligenz. Der Markt wächst schneller, als ein einzelner Mensch ihn überblicken kann. Ich habe zahlreiche Werkzeuge ausprobiert und viele davon wieder beiseitegelegt. Nicht weil sie schlecht wären, sondern weil ich für meinen Arbeitsprozess keinen ausreichenden Mehrwert gefunden habe. Ich muss nicht jede KI kennen. Ich muss wissen, welches Werkzeug mir bei welcher Aufgabe hilft.
Ein Handwerker wird schließlich auch nicht dadurch besser, dass er jede Bohrmaschine besitzt. Er wird besser, weil er sein Handwerk versteht und weiß, welches Werkzeug er wann einsetzen muss.
Genau darin liegt für mich eine zentrale Aufgabe der Digitalisierung. Wir sollten nicht versuchen, Menschen möglichst schnell durch Technologie zu ersetzen. Wir sollten Prozesse so weit verstehen und verbessern, dass wir uns dort selbst überflüssig machen können, wo unsere persönliche Arbeitszeit keinen zusätzlichen Wert erzeugt.
Dafür braucht es jedoch den Blick von außen. Kollegen, Mitarbeiter, Softwarehersteller und zunehmend auch KI können uns zeigen, wo wir selbst zur unnötigen Schnittstelle geworden sind. Deshalb ist Partnerschaft für mich keine freundliche Zugabe zur Digitalisierung, sondern ein Teil ihrer Funktionsweise.
Die entscheidende Frage lautet also nicht: Welche Software ist die beste?
Sondern: Wie gut beherrschen wir unser Handwerk – und wie klug wählen wir dafür unsere Werkzeuge?